Ankommen – Neues und Altes

Wo bin ich? Ah genau, die Straße hier runter. Und jetzt? Okay, da drüben… Die ersten Tage in einer neuen Stadt sind immer spannend. Mit jedem Schritt, den man auf dem unbekannten Bürgersteig tut, tritt man ein wenig mehr in eine neuen Welt ein.

Der Großstadtdschungel war für mich schon immer ein aufregendes Terrain. So viele Menschen, so viele Geschichten. Riesige Gebäude, tausende Autos. Und Millionen an Fußgänger, die im Moment, in dem sie vorbeigehen, mit ihrem Kopf schon mehrere Meter voraus sind. Ein Ort, der ständig vor Leben nur so strotzt, ständig wach, ständig in Bewegung.

argentinischer Dschungel

Genau hier befinde ich mich also nun seit einem Monat. Buenos Aires, Autonome Stadt von Argentinien, auch CABA (Ciudad Autónoma de Buenos Aires) oder Baires (eher im umganssprachlichen Ton) genannt. Letzters weckt schon fast Heimatgefühle in mir. Spaß beiseite – Buenos Aires, egal mit welchem Namen, ist genau das: Der Großstadtdschungel. Und obwohl es auch ruhige, grüne und fast kleinstädtisch anmutende Bereiche gibt, ist die Hauptstadt Argentiniens mit ihren knapp 13 Millionen Einwohnern nicht nur das Zentrum des Landes. Hier (und in der angrenzenden Provinz Buenos Aires) leben 1/4 der argentinischen Bevölkerung.

Rush-hour in Buenos Aires

Für mich ist Buenos Aires aber dennoch keine neue Stadt. Vor ein paar Jahren habe ich schon einige Urlaubs- und Sightseeing-Tage im Buenos Aires vor Corona verbracht, während ich fast einen Monat später verzweifelt und traurig in einem Zimmer in der argentinischen Hauptstadt zwei Wochen auf den Rückholflug nach Deutschland gewartet habe. Buenos Aires bedeutet für mich deshalb so einiges: Ankommen, Abreisen, Weitergehen.

Alles so, wies war

Verändert hat sich die Stadt irgendwie schon. Aber auch irgendwie nicht. Denn so viel ist gleich geblieben. Das Kondenswasser, das aus den Klimaanlagen auf die Straßen tropft. Der Duft vom chlorhaltigen Putzmittel (oder ist es doch das Leitungswasser?), das auf den Gehsteig gekippt wird. Der Geruch von Medialunas, der aus den kleinen Cafés strömt. Die Argentinier, die wild gestikulierend in und vor den unzähligen Bars sitzen oder mit dem Handy am Ohr durch die Straßen flanieren. Dabei darf natürlich auch der obligatorische Mate nicht fehlen.

Vermisst habe ich so einiges an diesem Land. Neben der ständigen Verfügbarkeit vom Mate-Tee (den man in Deutschland ein wenig unbequem von der nahmhaften Internetseite mate-tee.de erst im Internet kaufen muss) im Supermarkt, hat mir auch der charmante argentinische Akzent ein wenig gefehlt. Endlich wieder mit vielen sch-Lauten den fein-geschliffenen spanischen Wörten einen ganz besonderen Touch geben. Manch einer würde es verwaschenes Spanisch nennen und vielleicht ist es die richtige Beschreibung für undeutliches Sprechen und einem Klang, der dem Italienischen eher gleicht als der eigentlichen Herkunftsprache.

Alte Bekannte

Natürlich habe ich die Argentinier selbst sehr vermisst. Ihre Art, auf Unbekannt zuzugehen, ihre Neugier und Liebenswürdigkeit, wenn sie auf Deutsche sprechen, die das „R“ einfach nicht richtig rollen können oder mit mindestens zwei grammatikalischen Fehlern die Bestellung für Getränke im Restaurant aufgeben. Am meisten habe ich dabei „meine“ Argentinier vermisst. Meine Freunde aus Santiago del Estero, von denen ich mich von fast allen nicht richtig oder auch überhaupt nicht verabschieden konnte. In ein paar Tagen – zu Ostern – mache ich mich auf dei 17-stündige Busfahrt nach Santiago und werde zum ersten Mal nach so langer Zeit wieder in die Stadt zurückkehren, die mir sozusagen mein jetztiges Studium beschert hat.

Im ersten Monat hier in Buenos Aires ist viel passiert und es gibt einiges, das ich berichten möchte. Denn: In Argentinien zu studieren und hier noch einmal die Möglichkeit zu haben, eine längere Zeit zu leben, davon habe ich schon lange geträumt. Seid bei meinem Traum doch dabei und begebt euch mit mir auf die Reise, zu Mate und anderen Geschichten…

Bis bald,

Martha


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