Der Zaubertrank

Ganz Südamerika ist von den Kaffeeplantagen besetzt. Ganz Südamerika? Nein! Ein von unbeugsamen Einwohnern bevölkertes Argentinien hört nicht auf, dem Eindringling Widerstand zu leisten… So verbreitet der Kaffee in Südamerika auch ist (Brasilien führt weltweit die Liste der Hauptanbauländer, gefolgt von Kolumbien auf Platz 4), so wenig Wert wird darauf in Argentinien gelegt. Hier gibt es einen Hauptprotagonisten: Mate. Aber warum wird der Tee überhaupt konsumiert? Für alle, die mehr zu Gründen, Inhaltsstoffen und der Magie des Mates erfahren wollen.

Wachmacher Mate

Mate soll im Vergleich zu Kaffee bzw. Espresso mehr Koffein bereitstellen und den Gehalt des aufputschenden Wirkstoffes auf einem kontinuierlichen Niveau halten. Die Wirkung des Koffeins ist daher bei Mate keine Kurve (wie bei Kaffee), sondern eher eine sich langsam abbauende Gerade. Dem kann ich auf jedem Fall zustimmen, es ist fast so, als würde der Mate die Konsumenten erst langsam aus dem Schlaf wecken, während Kaffee direkt mit der Tür ins Haus fällt.

Ein typisches Frühstück in Argentinien:

Eine Tortilla, ein Fladen aus Weizenmehl und Rinderfett, mit Mate. In Buenos Aires ist diese Kombi eher für den Nachmittag zum Treffen mit Freunden im Park oder für den kurzen Plausch unter Kollegen auf der Arbeit vorgesehen. Im Landesinneren und in kleineren Städten ist dieses Brot jedoch fast immer beim Mate dabei.

Wichtig dabei ist aber: Mate ist kein Durstlöscher und nur nebenher zu trinken. Zwei Liter sind für Einsteiger keine gute Idee, besonders nicht für eine 1,69 m große Person, deren kleiner Körper nach 17 Uhr kein oder nur wenig Koffein verarbeiten kann. Ja, ich stand schon öfters noch um 1 Uhr nachts auf der Matte, weil meine Liebe zum Mate ein wenig zu weit ging. Laut Internet soll Mate zwar nicht so anregend sein, dass der Schlaf mit Einbußen zu rechnen hat, dennoch bin ich eine Vertreterin der guten Materegel: Kein Mate am Abend.

Das ist eben auch die andere Sache: Wie bei Kaffee kann Mate auch zur Gewohnheit werden. Besonders hier im Land des Mates ist man schnell dazu verleitet mal hier und mal da einen Mate zu trinken. Oder eben selbst auszuschenken. Und wie Kaffee kann zu viel Mate auch dazu führen, dass bei regelmäßigem Konsum das Aussetzen zu Kopfschmerzen führen kann.

Der Teufelskreis

…existiert nicht wirklich. Denn Mate soll angeblich nicht abhängig machen, da die Menge an Koffein zu gering sein, um dieselbe Wirkung wie Kaffee zu entfalten. Jedoch sind die Kopfschmerzen, die beim Weglassen von Mate auftreten können, ein Anzeichen für das Fehlen des Mateins. Das ist ein besonderer Wirkstoff im Mate, der eine bestimmte Zusammensetzung des Stoffes Xanthin ist. Dazu gleich mehr. In jedem Fall ist diese körperlich sehr spürbare Sehnsucht nach Mate aber in ein paar Tagen vorüber und kann laut argentinischen Hausmeister vermieden werden, indem man einfach nicht aufhört Mate zu trinken. Man muss sich nur zu helfen wissen.

wunderbare Wirkstoffe

Mate ist nicht nur als „Muntermacher“ bekannt, er soll auch die Abwehrkräfte stärken und die Verdauung anregen. Dennoch erhöht Mate nicht die Herzfrequenz, sondern sorgt eher für die Entspannung – sei es körperlich oder mental. Der besondere Wirkstoff Matein senkt den Blutdruck durch Entspannung des Blutgefäßumfelds und ist im Vergleich zum ebenso enthaltenen Koffein für die Muskelentspannung verantwortlich. Durch den hohen Anteil an Antioxidantien trägt der regelmäßige Konsum von Mate dazu bei, Zellverschleiß vorzubeugen. Menschen, die Mate trinken, haben nicht nur mehr Ausdauer, sondern verbrauchen auch mehr Kohlenhydrate, da der Stoffwechsel durch den Matekonsum beschleunigt wird.

Verzicht? Geht nicht!

Entspannt durch Mate? Vielleicht. Schon allein das Trinkritual sorgt für eine Entschleunigung und lädt zu einem kurzen Innehalten ein. So gehört es zum argentinischen Straßenbild, dass in greifbarer Nähe eine Thermoskanne sowie ein Mate steht, sei es in der Autowerkstatt, im Café oder im Büro. Die arbeitende Bevölkerung hält eisern am Mate fest und selbst der Siegeszug des Kaffees wird um einiges verringert. Denn schaut man sich die traurigen Kaffeeautomaten an, wirken diese fast so, als wären sie aufgestellt worden, um zu zeigen: „Wir können auch Kaffee trinken“. Leider vermitteln die Automaten, die auch bei uns in der Uni stehen und gezuckerten Kaffee verkaufen, eher den Eindruck „…aber wir bevorzugen halt eher Mate“.

Gilt das für alle Argentinier? Eine gute Frage, die wir uns für den nächsten Blog merken. Denn was wäre schon ein guter Blogeintrag ohne Cliffhanger?

Adiós & auf bald!

Martha


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