…funktioniert das Ritual des Matetrinkens, das den Argentiniern mindestens genauso wichtig wie Fußball oder Asado ist. Einfach ist das Ritual des Matetrinkens jedoch bei weiten nicht, denn es gibt genügend Regeln, die einzuhalten sind. Auch wenn ein normierter Trinkvorgang eher nach einer sehr deutschen Idee klingt, ein wenig kultig sind die Regeln beim Matetrinken eben doch und gerade deshalb kann ich sie euch einfach nicht vorenthalten! Hier also die zehn Gebote des Matetrinkens.
Bevor es um das Mate-Gesetz geht, eine kurze Vorstellung, wie das Matetrinken ablaufen könnte: Man trifft sich in einer „ronda de mate“ (Materunde) an allen möglichen Plätzen. Vor Corona waren das die Parks, aber auch in den Büros, Werkstätten, Cafés, Restaurants, Einkaufshäusern, Zuhause,… einfach überall. Meist wird der Tee auch nicht alleine getrunken, das Teilen ist wichtig. Ganz entgegen der Vorstellung, dass in Argentinien alles locker laufen würde, tauchen hier beim Mate strengen Regeln und Gesetze auf, die leicht ein Fettnäpfchen für naive Touristen oder jungfräuliche Matetrinker bilden können. Für mehr Klarheit im diffusen Mate-Regel-Dschungel ein Beitrag für mehr Durchblick beim Trinkgenuss.
1) Nicht Rühren
Es gleicht schon fast einer Todsünde und passiert aber schnell dem neugierigen Touristen, der „mal schauen will, wie der Strohhalm ausschaut“. Der Bombilla (Strohhalm aus Metal, aus dem der Mate getrunken wird) steckt meist tief im Mate und sollte NIE mit den Händen berührt oder gar herausgenommen werden. Für die Wissbegierigen: Am unteren Ende hat der Bombilla einen Filter, der verhindert, dass kleine Mateblättchen eingezogen werden. Was immer mal passieren kann.

Bevor noch mehr Bombillas neugierig aus dem Mate gerupft werden, hier zwei Beispiele, wie die Trinkhalme im unbenutztem Zustand aussehen.
2) Das Einschenken
Ist man einmal so weit gekommen, dass man in einer Materunde aufgenommen wird, dann sollte man einiges beachten. Der Mate darf nämlich nicht von jedem Teilnehmer der Materunde eingeschenkt werden. Es gibt eine Person die „serviert“ und den Mate immer wieder neu einschenkt. Dabei ist es Tradition, dass der „Cebador“ (Einschenker) immer zuerst trinkt, wieder einschenkt und diesen Mate dann an die Person an seiner Rechten weitergibt.
3) Austrinken
Man kann den Argentiniern viel unterstellen. Dass sie ihren Mate jedoch nicht genießen, trifft auf keinen Fall zu. Denn es geht nicht um schnelles, überstürztes Trinken, das nur aus einem Schluck besteht. Ein Mate bedeutet eine Portion für den Trinker, der gerade dran ist. Das heißt: Alles austrinken, bis man hört, dass kein Wasser mehr im Mate ist. Dieses Gurgeln wird auch ruido de mate genannt. Für manche mag das wenig sein. Vor ein paar Tagen beschwerte sich eine Kommilitonin, dass es ja nur ein oder zwei „Minischlücke“ seien. Mate ist eben kein 1,5-Liter-Durstlöscher, sondern lässt sich eher in die Gemächlicher-Espresso-Kategorie einordnen. Trotzdem sollte man nicht vergessen, dass man gerade mit Trinken dran ist, denn sonst heißt es:
4) „Das ist kein Mikrofon“
Die Argentinier reden gerne und vergessen dabei schon einmal die Zeit. Um zu verhindern, dass nur eine Person in den Genuss des Mates kommt, muss der Cebador darauf schauen, dass die Trinkzeit nicht überschritten wird. Das geht nach Gefühl und kann mit diesem Tadel eingeläutet werden, dass der Mate nun ausgetrunken und weitergegeben werden solle.
5) Zurückgeben, aber an wen?
Zurück muss der Mate immer wieder an den Cebador. Sollte sich die austrinkende Person aber vertan haben und den Mate aus Versehen an einen anderen Teilnehmer der Materunde gegeben haben, schuldet sie dieser ein Geschenk. Sagen zu mindestens die Argentinier. Ich habe noch nie ein Geschenk vergeben oder bekommen, die Existenz dieser Regel ist jedoch unbestritten und es gibt wohl einige unbeglichene Mate-Rechnungen.
6) Kein Danke
Hat der Mate nun geschmeckt und es gelüstet den Trinker nach einer weiteren Portion, ist es wichtig, die gute Erziehung beiseite zu lassen: Wer „gracias“ oder „Danke“ sagt, vermittelt durch die Blume „war lecker, aber ich will keinen Mate mehr“ und wird beim nächsten Ausschenken nicht mehr berücksichtigt. Sollte der Mate jedoch nicht gemundet haben, dann ist das kleine Wörtchen „gracias“ eine nette Gelegenheit um zu zeigen, dass der Eigenbedarf gedeckt ist und andere Matetrinker bevorzugt werden können. Um Enttäuschungen und überraschte Ersttrinker vorzuwarnen, bietet es sich an, beim ersten naiven „Danke, war echt lecker“ die Information über das Weglassen der Höflichkeit beim Matetrinken weiterzugeben.
7) Mate Hygiene
Eine der häufig gestellten Fragen von Mate-Neulingen „Trinken dann alle aus demselben Strohhalm?!?!“ hat spätestens seit Corona seine Berechtigung. Zuallererst: Ja, es bleibt der gleiche Bombilla, aus dem alle Trinken. Nein, da wird nichts desinfiziert. Ja, seit Corona hat sich einiges geändert. War es vorher gang und gäbe jedem (wirklich: JEDEM) Mate anzubieten, ist seit Corona die Aussage „Traen su propio mate“ (Nehmt euren eigenen Mate mit) gesellschaftlich akzeptiert worden. Das Event des gemeinsamen Trinkens wird eher im engeren Freundes- oder Familienkreis zelebriert und es ist nicht mehr so, dass man im Bus oder bei einem Termin im Rathaus einen Mate angeboten bekommt.
Trotzdem gilt die Mate Hygiene noch immer: Wer krank ist, nimmt keinen Mate an (um andere nicht anzustecken) und es wird nur aus dem Mate getrunken, nicht hineingeblasen, umgerührt oder mit den Fingern herumgestochert. Denn der für die Argentinier heilige Mate muss mit respektvoller Sorgfalt behandelt werden.
8) Teilen
Mate, das bedeutet immer eine gemeinsame Zeit. Egal wie viele Menschen dabei sind, es sollte auf jeden Fall an alle gedacht werden. So ist es selbstverständlich kleine Snacks wie Kekse, Cracker oder anderes süßes/salziges Gebäck zu einer Materunde mitzunehmen. Nach dem argentisch-deutschen interkulturellen Austausch sind auch die Gummibärchen von Haribo in diese sakrale Auswahl an Begleitnahrung zum Mate aufgenommen worden.
9) Natürlich nur Amargo
„Trinkst du süß oder bitter?“, fragen Argentinier oft, wenn ihnen zu Ohren kommt, dass den Deutschen der Mate schmeckt. Denn in Argentinien läuft die Mate-Sozialisierung oft ähnlich ab: Kinder fangen mit Mate cocido (also Mate im Teebeutel) an, der jedoch gezuckert und nicht ganz so lange ziehen gelassen wird. Als Teenager schmeckt dem durchschnittlichen Argentinier dann schon der „richtige“ Mate oder es wird mit Zucker oder anderen Süßungsmitteln nachgeholfen. Trinken Ausländer das Nationalgetränk jedoch ohne „Hilfsmittel“, hat man sich schon einmal ein wenig Respekt und eine anerkennd erhobene Augenbraue von argentinischer Seite gesichert. Für die meisten Matefanatiker sollte daher die Antwort auf diese Frage stehts „amargo“ (bitter) sein.
Mate im Teebeutel, gibt es sogar gezuckert. Hier die „rohe“ Variante von einer der beliebtesten Teemarken.

10) Auf die Yerba aufpassen
Die Yerba, also die Mateteeblätter, haben in den Materegeln ein besonderes Augenmerk verdient. Damit sie ihr Aroma richtig entfalten können, sollte das Wasser auf keinen Fall kochen, sondern zwischen 75 und 80° Celsius variieren. Auch sollte man die Yerba nicht mehr als ein Mal (also für ein bis zwei Liter Wasser) benutzen, das merkt man jedoch in jedem Fall am Geschmack. Natürlich sind auch hier wieder alle Mitglieder der Materunde verpflichtet auf schale Yerba hinzuweisen und dem Cebador damit die Hinweise für einen Wechsel des Matetees und dem Einläuten einer neuen ronda de mate zu geben.

Dieser Mate sollte so bald wie möglich gewechselt werden. Die dunklen Blätter zeigen schon: Der Mate ist ausgewaschen, also lavado.
Obwohl es all diese „Regeln“ gibt, Mate trinken lohnt sich! Also schnappt euch ein bisschen Yerba und genießt das grüne Gold Argentiniens.
Bis ganz bald,
Martha
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