Zu den schönsten Landschaften, die ich je in meinem Leben gesehen habe, zählt wohl der Salar de Uyuni in Bolivien. Die größte Salzwüste der Welt wirkt durch die über 10.000 km2 Ausdehnung verlassen und trostlos, trotzdem findet sich hier ein Eisenbahnfriedhof, Hotels aus Salz und Inseln, die einer Fata Morgana gleichen. Lust auf einen Ausflug in die salzige Landschaft?
Der Rezeptionist ist noch ziemlich verschlafen, als wir um 5:11 Uhr am Morgen vor der Tür des Hostels stehen. Schließlich hatten wir uns auch für eine andere Uhrzeit angekündigt, aber aufgrund der Unberechenbarkeit bolivianischer Busfahrer und anderer kleinerer Vorkommnisse stehen wir nun in den frühen Morgenstunden vor den Türen des „Piedra Blanca Backpacker Hostels“. Wir sind auch bei Weitem nicht die einzigen Nachtreisenden, die die langen Busstrecken schlafend hinter sich bringen. Zum Glück können wir einen „Early-Check-In“ machen. Das heißt: Schnell in das 8-Bett-Zimmer schlüpfen, unter die warme Decke kriechen und ein paar Stunden Schlaf aufholen.
Erstmal durchschnaufen
Wir sind in Uyuni angekommen. Ende des 19. Jahrhunderts als Handelsstadt mit einer der ersten Eisenbahnlinien des Landes gegründet, zieht die auf knapp 3600 Metern liegende Stadt jedes Jahr tausende von Touristen an: Sie kommen, um der größten Salzwüste der Erde einen Besuch abzustatten.



Die ersten Eisenbahnen Boliviens fanden ihre letzte Ruhestätte auf dem cementerio de los trenes, ein weiterer Anziehungspunkt für Touristen in Uyuni.

Auf ca. 10.000 km2 findet sich hier Salz in seichten Lagunen, zwischen Kakteeninseln und in der bekanntesten Form: Als feste, unendlich weite Salzebene, die nicht nur aufgrund des Panoramas den Touristen den Atem raubt. Da wir uns schon ein paar Tage in La Paz und Sucre über 3.000 m aufgehalten haben, beeinflusst uns die Höhe wenig. Andere Reisende sitzen hingegen mit einer Tasse Cocatee im Aufenthaltsraum des Hostels und warten darauf, dass die Übelkeit und Kopfschmerzen verschwinden.
„Dieses Jahr erwarten wir zum ersten Mal wieder viele Touristen, aber trotzdem werden es weniger sein als vor Corona“, erzählt uns der Fahrer auf der Tagestour durch den Salar de Uyuni. Wir hatten eine spanischsprachige Tour gebucht und da wir wahrscheinlich die ersten in der Agentur waren, haben wir so die Sprache auf dem Trip für unsere Mitreisenden bestimmt. Ein Geschwisterpaar aus Nordengland und eine deutsche Mutter mit ihrem vierjährigen Sohn sind mit von der Partie. Aufgrund fehlender Spanischkenntnisse spielen wir zwei Studentinnen dann eben die Übersetzerinnen (und Kinderbespaßung) für den restlichen Tag.

Nach ein bisschen sprudelndem Quellwasser, dass sich seinen Weg an die Oberfläche bahnt, sind wir nun auf den Weg zu den „Hexagonen“ im Salz. Die typischen, vom Wind geschaffenen Muster gelten als der Touristenhotspot schlechthin. Das gute bei der größten Salzwüste der Erde: Fast überall scheint es so, als wäre man ganz allein unterwegs.

Während wir nun über das scheinbar unendliche Weiß düsen, erfahren wir mehr über den Salar: „An den dünnsten Stellen ist die Salzkruste nur zwei Meter dick.“ Darunter? Da sei ein wenig Wasser, aber das hätten wir ja gerade bei den Quellen gesehen. Keine zehn Minuten später muss unser sonst so entspannter Guide dann diese Aussage revidieren. Denn die nichtsahnende Engländerin bricht mit einem Fuß in den Salzsee ein. Zwei Meter dick war die Salzkruste nicht, wohl eher nur 30 cm trennten die bewegungslose, junge Frau von der nassen Überraschung.


Zum Glück ist es noch nicht Abend und so kann der Schuh relativ unkompliziert auf dem Dach des Jeeps getrocknet werden. Auf dem Salar de Uyuni kann es am Tag schon ziemlich warm (bis zu 18 Grad) werden, dafür ist der Gefrierpunkt in den Nächten der Normalfall.
Die Zeit bis zum Sonnenuntergang wird noch fleißig mit einem Besuch des Salzhotels und der Kakteeninsel genutzt, die sich wie ein Trugbild im gleißenden Licht des Salars erhebt. Trotz der Höhe werden wir auf den „Gipfel“ der Insel hochgeschickt und erklimmen zwischen US-Amerikanern in high-tech Trekkingausstattung, einer mindermotivierten Jugendgruppe und unzähligen Kakteen, die braunen Felsen.


Am Salzhotel, wo außer den Fenstern alles aus Salz zu sein scheint, befinden sich auch noch die „banderas del mundo“, unzählige Flaggen aus aller Welt. Eine Überraschung bildet die bayerische Fahne, die mir gleich ins Auge gefallen ist 😉



Unten beim Jeep angekommen, geht die Fahrt zum eigentlichen Highlight des Tages: Der Sonnenuntergang am „espejo del mundo“. Dieser Spiegel der Welt ist besonders im Sommer (Dezember, Januar, Februar) zu Regenzeit am beeindruckendsten. Dann sammelt sich das Wasser über dem Salz und bildet eine dünne Schicht, die die untergehende Sonne im wohl größten und lebendigsten Landschaftsgemälde spiegelt.

Dieser Effekt war bei uns trotz Trockenzeit vorhanden und so konnten wir zusammen mit unserer Reisegruppe mit Gummistiefeln an den Füßen einen gemütlichen Wein trinken, bevor wir Bekanntschaft mit den kalten Temperaturen der eisigen Nächte auf dem Salar machten.



Zurück in der Stadt treibt der Hunger die müden Touristen in die kleinen Lokale. Besonders empfehlenswert in Bolivien? Pique macho, das aus Ofenkartoffeln oder Pommes besteht, die mit einer Bratensoße aus Bier, Rinderlende, Paprika, Zwiebeln, hartem Ei und einer grünen Chili serviert werden.

Obwohl viele Touristen nach Uyuni kommen und der Salar eine der Hauptattraktionen in Bolivien ist, wirkt die Stadt dennoch sehr verschlafen und überhaupt nicht wie andere große Sightseeing-Hotspots. „Während Corona und im Jahr danach war hier niemand“, berichtet unser Guide.


Zwei Mal Uyuni, zwei Mal verlassen? Die Stadt an sich erinnert schon mehr an eine Geisterstadt, während der Salzsee die Touristen auch wegen seiner unendlichen Weite anlockt.
Fast scheint es so, als müssten sich die Bolivianer erst wieder an ausländische Touristen gewöhnen. Mit ihrer unkomplizierten Art sollte dies jedoch kein Problem sein und Häuser – die können gebaut werden. Ebenso wie der nicht vorhandene Busbahnhof in Uyuni. Gibt man auf Google Maps das Busterminal an, wird etwas angezeigt, das wie ein Haus aussieht. Die Realität: Es ist eine Straße, auf der man herausgelassen wird. An den Seiten befinden sich die Büros der Busunternehmer, auf dem Mittelstreifen ein paar Kioske. „Ja, das ist unser Busbahnhof“, meinte eine Frau zu uns verwirrten jungen Frauen. Vielleicht fehlt mir diese bolivianische Unbedarftheit noch ein wenig, um dieses Land zu verstehen.
Seit ein paar Tagen bin ich nun wieder in meiner argentinischen Heimat zurück und erfreue mich an der großen Mateauswahl und dem sonnigen Frühlingswetter. Die Uni beginnt erst in einer Woche und so lasse ich bestimmt bald wieder etwas hier auf dem Blog hören. Bis dahin: Hasta luego, servus und adiós,
Martha

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