Der deutsche Sommer war auch dieses Jahr wieder eine regelrechte Hitzewelle. Währenddessen habe ich in Argentinien gefroren. Warum? Im Moment befinde ich mich ja auf der Südhalbkugel, wo gerade Winter ist. Der resultiert zwar nicht in Schneegestöber und gefrorenen Straßen, erfüllt aber dennoch einige winterliche Eigenschaften. Lust auf ein wenig Abkühlung?
Ich war auf alles gefasst, als ich im März nach Argentinien kam. Denn von vorherigen Studenten wurde uns ziemlich klar und deutlich gesagt, dass der Winter in Argentinien schon ganz schön frisch werden kann und wir auf jeden Fall warme Sachen bräuchten. Keine Heizungen in den Wohnungen, kalter Wind und auf gar keinen Fall tropische Temperaturen, das mache den Winter in Argentinien zu einer echten Herausforderung.
Gewappnet
Wie packt man also für neun Monate im Ausland, bei denen die Temperaturen sowohl um die 40 Grad wie auch Minusgrade erreichen können. Minimalismus ist die Lösung und dezimiert meinen Kleiderschrank auf einige T-Shirts, Tops, Jacken, drei kurze und vier lange Hosen, sowie zwei „wirklich dicke“ Pullover. Diese „wirklich dicken“ Pullover habe ich zwischendurch auch zum Schlafen angezogen. Aber fangen wir doch mit der Frost-Story von vorne an.
Der Beginn: Heiß
Bevor in Argentinien der von den Deutschen gefürchtete Winter hereinbricht, heißt es erst mal: Ventilatoren an! Im März kommen wir noch mit Winterkleidung im spätsommerlichen Argentinien an, das von einer wahrlichen Hitzeperiode heimgesucht wird. Die „wirklich dicken“ Pullover werden gar nicht erst ausgepackt, denn selbst in der Nacht wird es nicht kälter als 25 Grad.

Schatten war gefragt in den Monaten März und April. Aber selbst dort war es schwül-heiß.
Aber auch diese extreme Wetterlage legt sich nach dem ersten Monat und langsam beginnen in Argentinien die Blätter zu fallen. Der Herbst in Buenos Aires ist wirklich schön und überhaupt nicht nass und kalt, wie in Deutschland. Lange bin ich mehr als überzeugt, dass der Winter schon gar nicht so schlimm werden wird, scheint hier in Argentinien doch fast jeden Tag die Sonne.


Leider nein
Doch es kommt wie es kommen musste und die Zeit der Klimaanlagen, kurzen Hosen und sommerlichen Nächte ist vorbei. Genießt man in einem Moment noch die frischeren Tage, die mit der klaren Luft und wärmenden Sonne zum Herbstspaziergang einladen, erwischt der kalte Wind im nächsten Augenblick dann doch die noch ein wenig zu optimistischen Deutschen, die ja im heimischen Winter „viel kälteres Wetter gewöhnt sind“. Tja, so schnell konnten wir unsere Sommersachen gar nicht wegräumen und schon wurden wir vom berüchtigten „invierno“ heimgesucht.
Bevor mir hier argentinische Dramatik unterstellt wird, muss ich sagen: Natürlich war der Winter aushaltbar. Niemand von uns hat Körperteile durch Erfrierungen verloren und alle waren immer schön warm angezogen. Trotzdem will ich euch einen kleinen Einblick geben, denn obwohl es im Winter mit Temperaturen zwischen 5 und 20 Grad echt aushaltbar ist, gibt es ein paar Aspekte, die ihn einfach ungemütlich machen.
Die wärmende Klimaanlage
…läuft manchmal den ganzen Tag über. Denn die meisten Wohnungen in Argentinien, auch in Buenos Aires, haben keine Heizung. Manchmal lässt sich eine elektronische Gasheizung finden, die mit einem Zündholz in Gang gebracht wird. Vielleicht wäre diese Nichtexistenz einer Wärmequelle nicht so schlimm, schließlich wird es nicht eiskalt, selten kommt es zu Minustemperaturen in Buenos Aires. Was Wohnungen dann jedoch zu wahrlichen Kühlschränken macht, ist zum einen die Reichweite der Klimaanlagen und zum anderen die fehlende Isolierung.

Es pfeift, zieht und windet
Warum hier nicht besser auf abgedichtete Fenster, Türen und Löcher geschaut wird, ist mir wirklich schleierhaft. Denn gerade, weil es hier eben kalt wird und Heizungen sehr selten sind, könnte man auf wenig Wärme in der Wohnung durch eine ausreichende Dämmung hoffen. In unserer Wohnung ist das leider nicht der Fall und so habe ich nicht nur den ganzen August mit Stirnband, dem „wirklich-dicken“ Pullover und manchmal sogar einer Wärmflasche im Bett geschlafen, sondern war auch fast den ganzen Monat erkältet bzw. krank. Zumindest sind jetzt die gröbsten Löcher mit Zewa gestopft, sodass der Luftzug ein wenig abgeschwächt wurde und lose Papierblätter nicht mehr vom Tisch fliegen (ja, auch bei geschlossenen Fenstern/Türen ist das passiert…).

Ein schöner Winter
Noch schöner am Winter ist aber, dass er bald vorbei ist. „Im August ist es am kältesten“, erklärt mir eine Argentinierin und beschert mir so eine riesige Vorfreude auf alle Monate danach. Endlich wieder kurze Sommersachen! Denn langsam bin ich der etwas begrenzten Auswahl an Pullovern und Jacken wirklich leid. Die Argentinier sind da anders aufgestellt und rüsten sich für Ihren Winter stattliche aus: Dicke Daunenjacken, Wollschals, Mützen und Handschuhe werden so schon bei unter 15 Grad ausgepackt.
Auch mich friert es jetzt schon bei den täglichen 12 Grad und ich passe mich (in gemäßigter Weise) an die argentinische Mode an. Touristen kann man im Winter relativ gut ausfindig machen, sind es doch sie, die in kurzer Hose, T-Shirt und Sonnenbrille neben den dick eingepackten Porteños in der U-Bahn stehen.
Nicht übermütig werden
Vom Winter habe ich mich mittlerweile jedoch schon verabschiedet, denn langsam wird es wärmer und die Sonne wieder stärker. Das habe ich auch bereits beim ersten Draußen-Sitzen auf unserem Balkon festgestellt und mir meinen ersten Sonnenbrand abgeholt. Das finde ich auch gar nicht so schlimm, erinnert er mich doch, dass der Sommer schon seinen Fuß in der Tür hat. Dennoch bekommt der Frühling erst einmal den Vortritt und beschert eine der schönsten Zeiten in Buenos Aires: Die blühenden Bäume in den Parks und Alleen sind tatsächlich das Gegenteil zu den fallenden Blättern im herbstlichen Deutschland.


Die Uni läuft wieder in vollen Zügen, dieses Semester gelingt der Start schon viel eingespielter und auch einfacher. Denn tatsächlich bin ich nun schon seit über sechs Monaten in Argentinien. Wie die Zeit vergeht! Das nächste Update kommt bestimmt bald (vielleicht auch schneller, als gedacht?) und ich verabschiede mich mit einem (jetzt schon sehr viel wärmeren) Servus, adiós und bis ganz bald!
Martha

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