Mate: Das Nationalgetränk gehört zu den Argentiniern, wie Fußball zu Messi und Maradona. Nach meinen knapp acht Monaten Aufenthalt haben sich nun einige Anekdoten, im Bezug auf Mate als Getränk und argentinisches Kulturerbe, angesammelt, die ich euch auf keinem Fall vorenthalten möchte. Also – kocht schon mal das Wasser auf und lehnt euch zurück. Denn es ist Zeit für ein bisschen chisme (Getratsche), wie man in Argentinien so schön sagt.

Matetrinken verboten?
Das sieht man selten in Argentinien…
Mit dem Mate in der Hand, bekannt im ganzen Land…
Wenn zwei junge Frauen auf Deutsch in der U-Bahn plaudern, jedoch aber eine Thermoskanne unter dem Arm geklemmt haben und einen Mate in der Hand halten, kann das schon schnell zu Verwirrungen im argentinischen Weltbild führen. Als ausländischer Matetrinker muss man auf diese ungläubigen Blicke gefasst sein und obwohl genügend Touristen einige argentinische Rituale, wie eben das des Mates, übernehmen, scheint es den Argentiniern doch wie ein Fiebertraum vorzukommen.
…& Argentinier außer Rand und Band?!
Jedoch freuen sich die Bewohner des Mate-Landes immer, wenn sie merken, dass der Tee auch in anderen Kulturen ankommt und in rauen Mengen konsumiert wird. „Vos tomas Mate?“ (Trinkst du Mate?) wird dann schnell gefragt und auf eine Bejahung folgt meist ein strahlendes, aber auch stolzes, Lächeln von argentinischer Seite mit einer optionalen Erklärung über die Vorteile des Getränks, die Lieblingsyerba und warum Mate überhaupt das Beste aller Getränke sei.
Kaum ein Argentinier, der keinen Mate mag? Falsch. Es gibt die passionierten Matetrinker ebenso wie die chronischen Verweigerer, denen der Geschmack nicht taugt. So wie unserer Nachbarin in unserer ersten Unterkunft, die – kaum hatte sie die Teepackung auf unserem Tisch gesehen – aus dem Staunen über die Kompatibilität des bitteren Mates mit unseren gemäßigten europäischen Gaumen nicht mehr hinauskam. „I hate this stuff“, bemerkte die emigrierte US-Amerikanerin damals.

Da auch die Uni oft genug früh anfängt, saßen (und sitzen) die Deutschen mit Mate im Unterricht. Das freut nicht nur unsere Kommilitonen, die auch mal einen Mate „alemán“ abstauben, sondern auch die Dozenten, die sich über das interkulturelle Engagement ereifern können. Die Debatte, ob das Mate-Trinken von Deutschen als kulturelle Aneignung zu verstehen ist, fing im Spaß an und endete schlussendlich in einer Diskussion zwischen den Argentiniern, in welchem Teil des Landes das Getränk erfunden wurde. Bevor es zur Eskalation kam (es hatten sich wirklich schon Fronten gebildet), beendete unser Dozent vorläufig das schon sehr hitzig gewordenes Gespräch.
Oder: Mateanbau, in Deutschland!
So wird dem gewöhnlichen Studenten auch schnell mal die zukünftige Berufswahl vorweggenommen. Zugegeben, mein Name lässt sich schnell mit Mate assoziieren. Unser Geografie-Dozent ließ sich die Vorhersage jedoch nicht nehmen, dass ich später in Deutschland entweder Mate verkaufen oder selbst anbauen würde. „La Martha con el mate“, ein Erfolgsmodell – zumindest in den Augen der Argentinier.

Aber auch sonst ist es immer wieder bereichernd, sich mit den Argentiniern über „ihren“ Mate zu unterhalten. Am schönsten dabei war das Gespräch mit einer älteren Bäckersfrau ganz am Anfang der Zeit in Argentinien, die uns als „alemanas“ schon beim ersten Einkauf identifiziert hatte. Mit einem Blick auf dem Mate, den ich in der Hand hatte, kam die alte Dame gar nicht mehr aus dem Strahlen heraus. „Also ich trinke ja auch Kaffee, aber wenn ich mich entscheiden muss, dann nehme ich immer Mate“, erklärt sie uns, während hinter dem etwas altmodischen Holztresen eine Thermoskanne hervorglitzert.

Nach knapp sechs Monaten in Argentinien trinke ich noch immer fast jeden Tag Mate. Das argentinische Nationalgetränk ist zu meinem ständigen Begleiter geworden, sogar auf Reisen darf der Tee nicht fehlen. Auch in Bolivien hatte ich natürlich meine Lieblingsyerba dabei, die ich dann andere Trinkbedürftige weiterverschenkt habe: Ein Argentinier, dem es nicht leicht fiel, „gute“ Matekräuter in bolivianischen Supermärkten aufzutreiben, freute sich unglaublich über die unerwartete Mateschenkung, die meinen Rucksack für den Flug zurück nach Buenos Aires um einiges erleichterte.
Woher kommst du und warum trinkst du Mate?
Erkennt man Deutsche vielleicht an den typischen Birkenstock-Sandalen, ist der Mate mit der Thermoskanne unter dem Arm das Erkennungsmerkmal der Argentinier. Natürlich gehe ich nur so lange als Argentinierin durch, bis ich zu Sprechen beginne, denn der Akzent verrät mich zu schnell. „De donde sos?“ wird dann schnell gefragt.
Denn ebenso wie in der U-Bahn passt das Bild des ausländischen Matetrinker nicht in das argentinische Bild über Touristen und sorgt für zweifelnde aber eben auch stolze Blicke. Da die Argentinier aber ein sehr offenes und kontaktfreudiges Völkchen sind, kommt es dann schnell zum kurzen Plausch und irgendwie fühlt man sich schon zugehörig. Vielleicht nicht zu Argentinien, aber auf jedem Fall zur Gemeinschaft der Matetrinker. Und schon rufen wieder meine anderen Pflichten, denn ich bin mitten im zweiten (und letzten) Semester der Uni… Deswegen: Bis ganz bald, Servus und Adiós,
Martha
Hinterlasse einen Kommentar