Fiese Viecher

Dreck, Krankheiten und Müll: Damit werden diese kleinen Zeitgenossen meistens assoziiert. Kakerlaken sind wohl der Albtraum eines jeden, der keine Lust auf die kleinen (wie im Internet fälschlicherweise behauptet: fliegenden) Insekten hat, die Krankheitserreger übertragen sollen. Leider zieht es die cucarachas, wie sie in Argentinien heißen, vor allem in der schwülen Sommerzeit in die Ballungsgebiete und so in die Häuser von ahnungslosen Bewohnern, die sich versuchen die Plage mit verschiedenen Insektiziden, Kammerjägern und Räucherstäbchen vom Hals zu halten. Also kommt mit, in die Welt der fiesen Viecher.

Es raschelt als ich die Tür zum Apartment öffne. Nichts Seltsames, das war bestimmt der Wind, denke ich mir. Eine Sache macht mich aber stutzig: Dieses Rascheln oder fast schon schnelle Tapsen scheint direkt von der gläsernen Tischplatte zu kommen. Ich befinde mich gerade in Iguazú, einer der schönsten Nationalparks, der zu den sieben Weltwundern der Natur gehört. Mit meinem Freund, der mich in Argentinien besucht, bin ich dem Großstadtleben von Buenos Aires für ein paar Tage entflohen und halte mich nun also im grünen Norden des Landes auf, im „Dschungel“ Argentiniens.

Die Iguazú-Wasserfälle gehören zum größten Süßwasservorkommen nach dem Amazonas.

Zum Dschungel gehört natürlich auch eine Reihe exotischer Tiere und Pflanzen. Diese hatte ich jedoch draußen in der Natur und nicht in meiner Ferienwohnung erwartet. Denn es stellte sich heraus, dass das Rascheln auf dem Tisch nicht vom Windzug oder einem zu groß geratenen Käfer kam, sondern von der massivsten Kakerlake, die ich je in meinem Leben gesehen hatte. An dieser Stelle muss ich wirklich sagen: Ich übertreibe nicht, wenn ich behaupte, dass dieses Insekt die Größe von einem kleinen Finger besaß. Es sollte aber nicht die letzte Kakerlake sein, die uns auf dieser Reise begegnen sollte. „Das war eine cucaracha!“, meinem Freund ist sofort klar, dass wir es wohl mit dem Godzilla der Küchenschaben zu tun haben. Und er sollte Recht behalten.

Wunderlich

…kommt mir das Geräusch des Tapsens vor, aber Kakerlaken können doch nicht so groß sein, denke ich. Als hätte sie es gehört, flitzt die schwarz-braune Riesenschabe von der Glasplatte hinter das Tischbein. Schlau sind sie also auch noch, diese fiesen Viecher. Während wir uns einen Schlachtplan für unseren ersten Angriff überlegen, suche ich das Allheilmittel hier in Argentinien gegen kleine, langbeinige, ungebetene Gäste: RAID, CUCATRAP und wie die Insektizide alle heißen, sind besonders in der Kakerlakensaison begehrt.

Manchmal ist eben doble acción (doppelte Leistung) im Kakerlakenkampf nötig, um auf Nummer sicher zu gehen.
Unsere Empfehlung: Fallen mit Insektizid.

Sanfte Riesen?

„Kann schon sein, dass die Kakerlake aus dem Wald kommt, sie sind hier einfach so groß. Aber macht euch keine Sorgen, sie sind nicht so kontaminiert, wie in der Stadt“, meint unsere Vermieterin, als wir nach dem unauffindbaren Insektenmittel fragen. Cucarachas sind hier in Argentinien keine Seltenheit. Zwar sind sie nie willkommen, dennoch wird man sie – hat man sich die kleinen Insekten einmal eingefangen – sehr schwer los.

Und unsere Vermieterin hat Recht: Die dunklen Riesenschaben aus dem tropischen Norden sind zwar angsteinflößend, kommen aber nicht so häufig vor wie in Städten wie Buenos Aires. Zumindest habe ich diese Riesenkakerlaken noch nie gesehen. Bis zu meinem Aufenthalt in Iguazú, wo wir fast jeden Tag auf ein neues Exemplar stießen. Was Krankheiten und Kontaminierung betrifft, gehen die Meinungen auseinander. Aber auf die kleinen Kakerlaken habe ich genauso wenig Lust, wie auf die großen Verwandten.

Keiner will Kakerlaken

Darum gibt es in Städten wie Buenos Aires viele Präventivmaßnahmen, um die schwarzen Insekten zu vermeiden. Neben Räucherstäbchen und Insektiziden in Form von Sprays, Pasten und Fallen, kommen vermehrt auch die „Fumadores“ in die Wohnungen. Diese Kammerjäger und ihre auf dem Rücken gebundene Sprühflaschen, die eher einer Ghostbuster-Ausstattung gleichen, kümmern sich um die Abflüsse in Wasch- und Spülbecken, Duschen und im Boden, ebenso wie Lüftungsschächte von Klimaanlagen, und sprühen das Anti-Cucaracha-Mittel direkt in das Loch des Übels. Klar, dies führt den negativen Nebeneffekt, dass man diese Insektizide auf kurz oder lange in der Wohnung riecht, aber rechtfertigt trotzdem den Grund der Kakerlaken-Freien-Wohnung.

Aktuelle Lage: Alles clean!

Wie gesagt: Für Kakerlaken kann man nichts. Natürlich kann man sie vermeiden, in dem besonders viel geputzt, alle küchenschabenfreundlichen Lebensmittel wie Mehl oder andere trockene Produkte verschlossen und der Fumador oft eingeladen wird. Dennoch hat der durchschnittliche Bewohner einer Mietwohnung in Buenos Aires wenig in der Hand, um die Plage zu verhindern. Auch meine Mitbewohnerin und ich hatten einen Monat lang eine Wohnung, die von Kakerlaken nur so strotzte. Sie saßen im Türrahmen, auf Tischen, Türklinken und natürlich in der Küche. Am aktivsten sind die schwarz-braunen Insekten mit den langen Fühlern besonders nachts und wenn das Wetter heiß und schwül wird. In lauen Sommernächten stand eben manchmal die Frage im Raum: Nachts das Licht aus lassen und das Risiko eingehen auf die Kakerlaken zu treten oder es lieber anmachen und realisieren, wie viele zusätzliche krabbelnde Mitbewohner tatsächlich in der Wohnung sind.

Zum Glück haben wir in unserer aktuellen Bleibe kein Problem mit den krabbelnden Mitbewohnern, es ist auch schließlich erst später Frühling. Präventiv wurden jedoch auch schon Kakerlakenfallen aufgestellt, denn der cucaracha-Plage wollen wir auf jedem Fall zuvorkommen. Der Fumador ist auch regelmäßig ein gern gesehener Gast in unserer Wohnung.

Es geht weiter…

Trotzdem wird fleißig weiter geputzt und alles gut verschlossen, denn man weiß ja nie. Das Schlimmste an den Kakerlaken fand ich nämlich immer ihr unerwartetes Auftreten, denn bei jedem Tür- oder Schranköffnen hatte ich Angst, Auge-in-Auge mit der Küchenschabe zu sein und schneller, als dass sie verschwinden könnte, das Insektenmittel zu ergreifen und den Abzug drücken zu können.

Schon bei der Vorstellung überkommt mich ein leichter Schauer. Ich mag sie einfach nicht, diese Tierchen. Anders als andere Deutsche, die es (auch nur anfangs) nett fanden, dass „da noch jemand ist“. Mittlerweile hat aber jeder die Nase voll von den krabbelnden Zeitgenossen, und mehrere Umzüge fanden schon kakerlakenbedingt statt. Klar, die Insekten können nicht fliegen und greifen auch niemanden an. Aber sie kommen eben in die Wohnungen aus Abflüssen oder von Nestern, die sich vor allem bei (verunreinigtem) Wasser oder Müll bilden. Und sie sorgen einfach für ein vermindertes Wohlbefinden, wenn ich immer Angst haben muss, dass in jedem Schrank oder Schubladenfach eine Kakerlake sitzen und verschwinden kann, bevor ich sie eliminiert habe. Daher kann ich ganz gut ohne sie leben.

Kampf gegen Giganten

Wie ging eigentlich die Kakerlakenstory in Iguazú aus? Nach einigen Überwindungsversuchen (ja, vor allem meinerseits), gelang uns der erste Kill mit einem Raumspray und Hausschuhen. Auch die Erkenntnis, dass Insektenmittel wirklich unglaublich sinnvoll und unabdingbar im argentinischen Haushalt ist, blieb in den folgenden Tagen nicht aus. Ein wenig frech fand ich die Kakerlake am Tag darauf: Für ihr Dahinscheiden waren weder wir noch das RAID-Mittel zuständig, denn sie lag mit ihren nach oben ausgestreckten Beinchen auf dem glatten Schabenpanzer. Und zwar in meinen Schuhen, leblos vom wahrscheinlich umwerfenden Geruch.

Zukünftig werde ich also meine Socken oder Schuhe als Gegenmittel nutzen. Wenigstens weiß ich jetzt, wie ich in den argentinischen Sommernächten vorgehen werde. Ich halte euch auch in dieser Angelegenheit auf dem Laufenden und verbleibe mit „cleanen“ Grüßen, einem Adiós und Servus auf ganz bald!

Martha


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