Neben Fußball, Asado und Mate, haben die Argentinier eine ganz besondere Leidenschaft. Ein bestimmter vierbeiniger Zeitgenosse ist sehr oft in den meisten argentinischen Haushalten und so auch auf den Straßen zu finden: Die Hunde haben das Herz von so manch einem Argentinier im Sturm erobert, was auch für Außenstehende schnell sichtbar wird. Besonders hier in Buenos Aires ist mir diese Hunde-Affinität aufgefallen. Denn ein Phänomen, das man aus Deutschland überhaupt nicht kennt, sind die Hundesitter.
Ein hellbraun-schwarzes Bündel von unterschiedlich großen Hunden schiebt sich durch die Straße. Mittendrin der ein Mann mit Kopfhörern, bei dem alle Leinen zusammenlaufen. Der Prototyp der Hundesitter kämpft sich mit seinen Schützlingen durch die Straßen von Buenos Aires. Denn, auch wenn viele Argentinier eigene Hunde haben, fehlt doch oft die Zeit, mit den Vierbeinern ein paar Runden um den Block zu drehen. So hat sich eine ganze Berufsgruppe diese Marktlücke zu Eigen gemacht und egal ob bei Regen, Sonne oder Hitze wird eine Schar von bis zu zehn Tieren ausgeführt.

Exklusive Freizeitgruppe
Dabei funktioniert es für die Herrchen und Frauchen jedoch nicht so einfach, wie sie es vielleicht gerne hätten, denn bevor ein neuer Hund in die Obhut eines Hundesitters genommen wird, müssen erst ein paar Proberunden gelaufen werden, ob der Neue überhaupt zur schon bestehenden Crew passt. Nach einer erfolgreichen Aufnahme steht dem Gassigang aber nichts mehr im Weg und es geht los durch die Straßen von Buenos Aires.

Manchmal müssen die Vierbeiner doch länger auf den Ausgang warten, als gedacht…
So süß und entspannt der Job auch wirken mag, Hundesitter steht dennoch nicht auf meiner beruflichen Karriereagenda. Denn auch wenn ich sehr tierlieb bin, wäre mir das ständige Aufheben von Hinterlassenschaften von nicht nur einem, sondern mehreren Hunden viel zu viel. Vor allem vor Häusern, die so einen strengen Hausmeister wie den unseren haben.
Der sieht seinen Job nämlich nicht nur innerhalb der Hausmauern, sondern vor allem auch davor. Unseren Hausmeister findet man oft genug vor der Wohnungstür auf, während er mit scharfem Blick die vorbeilaufenden Hunde (und vor allem die Aufhebe-Schnelligkeit der Herrchen und Frauchen beobachtet). Verrichtet ein Vierbeiner zu schnell sein Geschäft vor unserer Tür, ist unser Hausmeister drauf und dran, nicht nur den Hund, sondern auch den Besitzer schnellstmöglich zurückzupfeifen.

Haufenweise Haufen
In Buenos Aires gibt es mehr Hunde, die als Haustiere gehalten werden, als Kinder unter 10 Jahren. Eine beachtliche Statistik. Aber wenn man sich dieses schiere Maß an Vierbeinern vorstellt, können die Hinterlassenschaften nicht außer Acht gelassen werden. Denn nicht jedes Haus hat einen so auf Reinlichkeit bedachten Hausmeister und viele Hundebesitzer kümmern sich nicht wirklich, wann und wo der Hund seine Häufchen lässt. Deshalb gilt beim Spaziergang: Immer auch den Boden im Blick haben. Denn lieber geht man den Slalom ein, als mit Hundekot an den Schuhen in der Universität aufzutauchen. Im ersten Semester kam es tatsächlich manchmal vor, dass das Zuspätkommen von Seiten der Deutschen mit „Sorry, bin wieder wo reingestiegen und musste mich umziehen“ entschuldigt wurde.
Gaucho-Hunde?
Wie sehen diese Hunde aber eigentlich aus? Wenn man vom Stereotyp des Argentiniers als naturliebenden Gaucho ausgeht, könnte man einen großen Hund assoziieren. Vielleicht einen Weide- oder Schäferhund? Tatsächlich sieht man – zumindest in der Stadt – nicht so viele große Hunde. Nur selten kommt ein Windhund vorbeigetrabt oder schnuppert eine Dogge an den Handgelenken der Fußgänger. Meistens sind es dann doch die kleinen Schoßhündchen wie Pudel oder Dackel, die die Straßen von Buenos Aires unsicher machen. Und wirklich: Vor allem sieht man kleine weiße Hündchen in den Parks und durch die Straßen schnuppern.

Im Hundepark schlägt das Herz für Menschen und Tiere höher. Denn neben viel Platz und grünem Rasen gibt es viele andere Spielgefährten.
Ja, unsicher! Denn obwohl die kleinen „salchichas“ (Würstchen), wie Dackel hier genannt werden, sehr niedlich und harmlos wirken, kann man schon mal mit ein paar aggressiven Kläffern von der anderen Straßenseite rechnen. Die Mehrheit der „perros“ in Buenos Aires ist aber schon sehr friedlich gestimmt, schließlich haben sie durch die Hundesitter auch genügend Auslauf. Denn in Buenos Aires gibt es nicht nur genügend Parks für naturliebende Zweibeiner, sondern auch extra angelegte Grünflächen für die tierischen Bewohner der Stadt. Beliebte Treffpunkte für die Hundesitter mit ihren Schützlingen und Herrchen sowie Frauchen, die nach Feierabend eine Runde drehen wollen.


Noch einmal Argentinien genießen…
Ich freue mich im Moment übrigens auch auf meinen Auslauf. Denn die letzte Uniwoche ist fast vorbei, meine Prüfungen sind geschrieben und die Präsentationen gehalten. Jetzt geht es auf in den Endspurt, bevor es in knapp vier Wochen aus dem argentinischen Sommer in die deutsche Winterkälte geht. Die letzten Tage hier sind aber schon ziemlich gut verplant, deswegen gibt es bestimmt auch bald Updates (weil zu meinen Plänen auch auf jeden Fall Blogschreiben gehört) und ich verbleibe mit meinem traditionellen Adiós, bis bald und Servus!
Martha

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