Dezember, bei 30 Grad im Schatten. Unvorstellbar in Deutschland – vor allem beim aktuellen Schneechaos. Hier in Buenos Aires ist es aber die Realität, denn der Sommer hat seinen Einzug gehalten. Was macht man also bei dem schönen Wetter in der argentinischen Metropole? Raus ins Grüne! Genauer gesagt, in die Parks und Gartenanlagen der Stadt…
Meine letzten Tage hier in Argentinien sind der krasse Gegensatz zum klirrend kalten Winterwonderland in Deutschland. Denn nun ist der Sommer wirklich voll und ganz in Buenos Aires angekommen, selten wird es nachts kälter als 20 Grad. Und auch am Tag friert es hier niemanden: Buenos Aires ist bekannt für die „humedad“, die hohe Luftfeuchtigkeit, die die Luft bei „nur“ 30 Grad wie eine Hitzewalze wirken lässt.
Entfliehen kann man der drückenden Wärme also nur, in dem man sich unter die Klimaanlage begibt (nicht zu empfehlen, hohes Erkältungspotential!) oder sich den Schatten aufsucht. Obwohl die argentinische Hauptstadt die Metropole Argentiniens ist und demnach auch mit zahlreichen Gebäuden und Straßen regelrecht gepflastert ist, sind die Parks ein echtes Highlight in den heißen Sommermonaten. Ein Mate unter Freunden, ein Picknick oder Radfahren– all das holt die porteños aus dem stressigen (und überhitzten) Alltag heraus.
Auch ich habe die grünen Paradiese der Stadt sehr genossen und besonders in den letzten Wochen einen Großteil meiner Zeit dort verbracht. Heute will ich ein paar meiner Lieblingsparks vorstellen, die bei einem Besuch in Buenos Aires nicht fehlen dürfen!
Das Reserva
… kennt man mit vollem Namen als „Reserva Ecológica Costanera Sur“. Es befindet sich ganz nah an unserer jetzigen Wohnung im Stadtteil San Telmo und ist mit seiner Nähe zum Hafenviertel Puerto Madero (frische Luft!), bzw. zum Río de la Plata, auch unter Wildtieren beliebt. Das Reserva ist wohl der unberührteste Park der Stadt, denn in dem als Naturschutzgebiet gekennzeichneten Bereich verlaufen nur eine Handvoll Wege.


Da der Park so sehr der Natur überlassen wurde und wohl mehr ein Wald als Park ist, wird der Schatten der Bäume sowohl von unzähligen Tieren als auch Menschen genutzt. Schon allein über 343 verschiedene Vogelarten beherbergt der Naturpark, welcher im Jahr 1986 gegründet wurde. Aber auch Biber, Nutrias, (Schnapp-)Schildkröten, verschiedene Froscharten, Eidechsen, Schlangen und große Echsen lassen sich im Reserva finden. Vor ein paar Tagen wurde sogar ein Wildmeerschweinchen gesichtet.

Es gibt also viel zu entdecken im Reserva. Und wer viel Zeit zur Verfügung hat, kann sogar bis zum Río de la Plata spazieren und auf das gegenüber gelegene Uruguay blicken. Ich mag es schon gerne hier im Reserva. Den einzig bitteren Beigeschmack hatte der Park am Anfang der Zeit in Argentinien, da jemandem von uns Deutschen direkt aus der Hand das Handy von einem radfahrenden Dieb gestohlen wurde. Durch die Nähe zu einem der ärmeren Stadtviertel von Buenos Aires gilt hier eben: Nicht nur auf die Flora und Fauna, sondern auch auf Taschendiebe schauen!
Der Ecoparque

Dieser ehemalige Tierpark von Buenos Aires ist einer meiner Lieblingsorte der Stadt. Denn hier haben die alten Zootiere ihr Zuhause gefunden.
Zugegeben – bei manchen Tierarten wie bei Büffeln oder vor allem beim großen Kondor – sind die Gehege schon sehr klein und nicht besonders weitläufig. Jedoch dürfen einige der Tiere sogar frei herumlaufen. Wie zum Beispiel die Maras Patagonicas (Großen Pampashasen), für mich eine Mischung aus Reh und Feldhasen. Die Maras bevölkern den Ecoparque als wäre es ihr eigenes Anwesen. Mit ihren schmalen Läufen und dem schlanken Körper zwängen sie sich spielend einfach in andere Gehege. So kann es schon mal sein, dass die Giraffen oder Kamele Besuch von ihren so viel kleineren Artgenossen bekommen.

Aber auch andere „typisch“ argentinische Tiere sind im Park zu finden: Lamas und Guanacos, eine etwas kleinere Lamaart, teilen sich mit Nandus die buschbewachsenen Gehege. Auch Flamingos, die besonders im Süden Patagoniens beheimatet sind, lassen sich hier im Eco-Parque finden. Ein Bewohner, den ich leider selten angetroffen habe und der neben dem Elefanten und Ottergehege lebt, ist der Puma. Bei meinen Besuchen ist mir die Großkatze bis vor Kurzem leider nie unter die Augen gekommen, aber das liegt vielleicht an meiner kulinarischen Erfahrung in Argentinien vor ein paar Jahren.
Bei meinem letzten Besuch im Ecoparque konnte ich jedoch einen Blick auf die große Wildkatze werfen, die in Argentinien auch als „león“ (Löwe) bekannt ist. Am Gehege standen wieder einmal viele Besucher, die sich auf die Puma-Lauer gelegt hatten. Tatsächlich konnten zwischen dem hohen Gras die weißen Ohrspitzen des sich in der Sonne räkelnden Pumas ausgemacht werden.

Im Park wird ständig gebaut und so kann bei jedem Besuch etwas Neues entdeckt werden. Die Maras sind dabei jedoch immer mit von der Partie und da ich während meines Aufenthalts schon wirklich oft im Ecoparque war, konnte ich jetzt im Frühling die kleinen Babymaras bestaunen. Ebenso wie die Küken der Pfauen und Enten, die mit den Nutrias um die Fressnäpfe konkurrierten. Mich erstaunt es jedes Mal, dass das Konzept des Parks so gut funktioniert. Denn keiner der Besucher, nicht einmal kleine Kinder, versuchen die freilaufenden Tiere zu streicheln, halten genügend Abstand und sind an den Gehegen ruhig, um die Bewohner nicht zu verschrecken.




Ein Pluspunkt an diesem ehemaligen Tierpark ist auch, dass vor allem Tiere aus Argentinien innerhalb des riesigen Geländes zu finden sind. Klar, Giraffen, Elefanten und Kamele laufen nicht frei in der argentinischen Pampa herum, dennoch bekommen die Besucher hier einen Überblick über die große lokale Tierwelt, die von farbigen Kolibris bis zu Seerobben so einige (für uns exotische) Tiere beinhaltet.






Ein Wasserschwein, hier auch unter dem Namen „Capybara“ bekannt.
Sonstige Parks in Palermo: Mit Rosen bis nach Japan
Ein Artikel reicht gar nicht aus, um auf alle Parks in Buenos Aires einzugehen. Die schönsten und gepflegtesten Grünanlagen befinden sich im Stadtteil Palermo. Für jeden Naturgeschmack ist hier etwas dabei. Der romantische Rosengarten entfaltet zum Beispiel seit Oktober, seit dem Frühling auf der Südhalbkugel also, seinen Zauber mit den duftenden Beeten voller unterschiedlich farbigen Blüten. Zudem befindet sich im „Parque El Rosedal“ ein kleiner See mit Tretbootverleih für die sportliche Betätigung auf dem Wasser in Begleitung zahlreicher Gänse.





Neben dem Rosengarten liegt nur einen Steinwurf entfernt ein anderer ebenso besonderer Park: Der „Jardín Japonés“ entführt die Besucher nach Fernost und in die Welt der japanischen Landschaftsgärtnerei.


Zur Kirschblütensaison gilt dieser Garten als absolutes Highlight, denn die pinken Blüten der Bäume besitzen nicht nur einen besonderen Charme, sondern locken auch allerlei Kolibris an. Ebenso bildet der japanische Garten mit den kleinen Pavillons und den Seerosenteichen die Heimat für eine ganze Koi-Kolonie, die sich zufrieden im Wasser tummeln.



Die gold glänzenden Kois sind der ganze Schatz des Jardín Japonés.
Foto: Lea Brunnemer
Es blüht und blüht
Aber auch gerade im Moment, also im November und Dezember, blüht ein besonderer Baum in den Straßen von Buenos Aires. Die Jacaranda ist ein sehr voluminöser Baum, der vor allem für die violetten Blüten bekannt ist. Das Wort kommt aus der indigenen Sprache Guaraní und bedeutet so viel wie „duftend“. Und dieser ganz besondere Duft liegt eben vor allem wo in der Luft? Genau, im „grünen“ Stadtteil Palermo mit seinen großzügigen Parks. So färben sich im Moment nicht nur ganze Straßenzüge lila, auch in vielen Parks der Stadt kann das Ereignis der Jacarandas bestaunt werden.




Das Kunstwerk „Floralis Generica“ befindet sich mitten auf einer Grünfläche im Stadtteil Recoleta, nahe am Gartenparadies Palermo. Sie stellt eine Jacarandablüte dar, öffnet sich zum Sonnenauf- und schließt sich zum Sonnenuntergang.

Zurück in die Minusgrade
Am Donnerstag geht es für mich schon wieder zurück nach Deutschland und damit in den Winter. Aber damit soll dieser Blog nicht abgeschlossen sein. Denn „Mate & other stories“ beinhaltet – wie der Name verspricht – noch viele andere Geschichten! Bis ganz bald, servus und adiós
Martha

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