Einmal nicht aufgepasst, und schon steht man in der argentinischen Tageszeitung. Gut, der eigene Artikel zumindest. So erging es mir vor Kurzem, denn an meiner argentinischen Universität gab es die Möglichkeit knappe Kommentare, die sich mit Interkulturalität und dem Studium der Kulturwirtschaft beschäftigen, in einer Zeitung zu veröffentlichen. Das konnte ich mir natürlich nicht entgehen lassen und so verfasste ich – inspiriert von meiner Bachelorarbeit – einen kurzen Text zu Mate in Deutschland.
Dieser Artikel wurde gestern erst veröffentlich und da dies selbstverständlich auf Spanisch geschah, habe ich noch zusätzlich zum Orginaltext eine deutsche Übersetzung, die ich weiter unten anfügen werde. Ich muss natürlich sagen, dass ich mich unglaublich über diese Gelegenheit freue – denn nie hätte ich einmal geglaubt einen Artikel für eine argentinische Zeitung schreiben zu dürfen! Hier geht’s zur Seite von El Perfil, wo die originale Version veröffentlicht worden ist.
Vielleicht haben schon einige den neuen Menü-Punkt hier auf dem Blog entdeckt: In „Publikationen“ finden sich alle Texte, die außerhalb dieses Blogs entstanden sind, so auch meine Bachelorarbeit. Im Moment gibt es diese nur auf Spanisch, in Kürze werde ich aber alles auf Deutsch übersetzt haben, damit die Arbeit über den Vergleich von Bier und Mate in Deutschland und Argentinien auch von meinen deutschen Lesern eingesehen werden kann 🙂

Das Deckblatt meiner Bachelorarbeit… bald gibt es mehr dazu!
Bis dahin gibt es hier die Übersetzung meines argentinischen Zeitungsartikels. P.S.: Dieser Artikel bezieht sich auf Argentinien und wurde nochmal für die argentinische Leserschaft angepasst, das „wir“ bezieht sich deshalb auf die örtliche Bevölkerung…
Mate als heimliche Verbindung zwischen Argentinien und Deutschland
Das Lieblingsgetränk der Argentinier, das immer weniger ausschließlich unserem Land und dem südamerikanischen Kontinent vorbehalten ist, verleiht deutschen Erfrischungsgetränken einen besonderen Geschmack und ist besonders bei Studenten und Computerhackern beliebt. Was denkt eine gebürtige Bayerin, die Mate während ihres Studiums in Buenos Aires kennengelernt hat, über unser Getränk?
Martha Ehrtmann*
24.09.2024, 17:12
Das erste Mal, dass ich Argentinien hautnah erlebt habe, war meine erste Teilnahme an einer Mate-Runde. Damals war mir noch nicht klar, welche Normen und welche kulturelle Bedeutung diese argentinische Tradition mit sich bringt. Dennoch wusste ich bereits, wie wichtig es war, einen angebotenen Mate anzunehmen und ihn in Gesellschaft zu trinken. Immerhin hatte ich das vor meiner Ankunft in einem Reiseführer gelesen.
Als ich den ersten Schluck nahm, stellte sich heraus, dass er viel bitterer war, als ich erwartet hatte. Und, neben Tränen in den Augen wegen des starken Geschmacks, beschlichen mich Zweifel hinsichtlich meiner Entscheidung, für ein Jahr nach Argentinien zu gehen. Würde ich wirklich jeden Tag dieses Getränk trinken müssen, um gesellschaftlich nicht ausgegrenzt zu werden?
Natürlich entsprachen diese Gedanken nicht der Realität, und ich lernte den Mate und seine Traditionen wirklich kennen und lieben. Mit der Zeit wurde mir die tiefe Bedeutung von Mate bewusst: Die Gemeinschaft, der Austausch, die Ruhe – die ganze Erfahrung erfüllte mich mit so viel Zuneigung und Liebe für Land und Leute.
„‚Man gewöhnt sich dran‘ ist der Werbeslogan einer der bekanntesten deutschen Mate-Limonaden“
Und so sitze ich nun, vier Jahre später, in Deutschland, schreibe meine Bachelorarbeit, während ich einen Mate trinke, und versuche herauszufinden, warum sich dieses wunderbare Ritual auf den sudamerikanischen Kontinent zu beschränken scheint. Oder ist dem doch nicht so?
Wie sieht es mit der deutschen Yerba-Mate-Industrie aus?
Zumindest in Deutschland ist Mate auch in Form von einer Brause bzw. Limonade erhältlich. Besonders beliebt bei Studenten und Computerhackern ist daher die Marke Club-Mate, die ihn wegen seiner anregenden Wirkung trinken. Allerdings haben die wenigsten deutschen Mate-Limonaden-Konsumenten jemals an einer Mate-Runde teilgenommen, es sei denn, sie waren in Argentinien im Urlaub, zum Studium, als Freiwillige oder haben persönliche Kontakte zu Einheimischen.
Sind wir Deutschen für dieses Ritual nicht geeignet? Wollen wir den Strohhalm, auch bekannt als Bombilla, aus hygienischen Gründen nicht teilen? Oder gehört es einfach nicht zu unserer Kultur, einen Moment der Ruhe zu genießen? Miteinander Zeit zu verbringen, bei einem Heißgetränk? Der argentinische Mate ist weltweit sehr bekannt, doch im Rest der Welt gibt es keine ähnliche Tradition der gleichen Tragweite. Trotzdem trinken die Deutschen keinen Mate in seiner traditionellen Form.
Vielleicht mag ich Mate nur, weil ich in Argentinien eine interkulturelle Erfahrung gemacht habe. Vielleicht hat jede Kultur ihren eigenen Trinkbrauch, um bestimmte Getränke zu konsumieren. Vielleicht steckt hinter unseren Traditionen viel mehr, als wir denken.
„Man gewöhnt sich dran“ ist der Werbeslogan einer der bekanntesten Mate-Limonaden in Deutschland. Obwohl er sich in diesem Fall auf den Geschmack von Mate bezieht, könnte er auf die Mate-Runde ausgedehnt werden? Es bleibt abzuwarten, bis vielleicht eines Tages der Brauch des Mate-Trinkens als interkulturelle Brücke zwischen Argentinien und Deutschland gebaut wird, zusätzlich zu bereits vorhanden Mate-Limonaden-Kultur.
*Bachelor of Arts (Bayern), Kulturwirtschaft (USAL)

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