Interkulturelle Getränke und akademische Abenteuer

Wie mein Mate-Durst meine Bachelorarbeit beflügelte

Hola und willkommen zurück! Lange gab es hier nichts Neues und ehrlicherweise fällt es mir tatsächlich auch ein wenig schwer, wieder einen Blogbeitrag zu schreiben. Denn die letzten Wochen, ja sogar Monate, bin ich abgetaucht. Abgetaucht in eine andere Welt, die aus wissenschaftlichen Zitaten, detailreichen Definitionen, fundierten Beweisen und Belegen besteht.

Lesen über Mate – mal mit, mal ohne Bilder. Meine Quellen waren teilweise so ergiebig und vielfältig, dass mir selbst die doch oft langwierige Recherche viel Spaß machte!

Die Welt der Bachelorarbeit hat mich erst wieder ein wenig seit Anfang August und dann richtig ab Mitte September in die etwas buntere und weniger staubigere Realität entlassen. Denn nach dem Fertigstellen des Textes, stand noch die nicht ganz so abwechslungsreiche Korrektur an. Und die Monate davor waren anstrengend: Eine Challenge war hierbei nicht das Verfassen eines akademischen Textes an sich, sondern eben auch das Sammeln von Informationen über mein (zugegeben sehr spezielles) Nischenthema wie auch das Schreiben auf Spanisch, das für meine Abschlussarbeit obligatorisch war.

100 Seiten zum Nischenthema

Ich wäre wohl kaum die Mate-Martha, wenn meine Bachelorarbeit nicht irgendwie mit meinem Lieblingsgetränk verknüpft worden wäre. Wie schon im letzten Blogbeitrag erwähnt, der schon viel zu lange zurückliegt, habe ich mir den Mate Tee Konsum in Deutschland zum Thema gemacht, was nicht nur unter Argentiniern anfangs mit Skepsis aufgenommen wurde. „Was? Das Thema ist doch viel zu klein“, „Findest du dazu überhaupt Quellen?“ und „Willst du nicht lieber über Argentinien statt Deutschland schreiben?“ sind eine kleine Auswahl dessen, was die Reaktionen auf mein gewähltes Thema betraf. Naja, was soll ich sagen: Das Thema erwies sich als sehr ergiebig für meine Arbeit, die nun 104 Textseiten umfasst.

Da meine „Trabajo Final de Grado” nur auf Spanisch lesbar ist, habe ich mir überlegt, hier auf meinem Blog ein wenig genauer auf die Ergebnisse meiner Arbeit einzugehen und eine kleine Beitragsreihe über den Inhalt zu starten. Dabei erspare ich euch den wissenschaftlichen Part, wobei natürlich alle meine Quellen klassischerweise Bücher, Artikel und andere akademische Veröffentlichungen darstellen. Dennoch soll es hier eine kurzweilige Zusammenfassung dessen geben, das ich in der Bachelorarbeit analysiert, beschrieben und herausgefunden habe. Also, los geht’s!

Ein wenig sperrig sind Themen von wissenschaftlichen Arbeiten ja immer. So detailliert wie nötig und ja nicht zu lange, aber auch nicht zu kurz. In Argentinien wurde uns hier sehr viel freie Hand gelassen, denn unsere Themen durften wir selbst wählen – im Unterschied zu vielen Bachelorarbeiten in Deutschland, wo oft die Lehrstühle oder Dozenten das Thema vorgeben. Meine Wahl fiel – natürlich – schnell auf den Mate als grobes Oberthema und da ich bereits über den Bekanntheitsgrad einer gewissen Limonade mit Mate-Geschmack unter deutschen Studenten wusste, war für mich bereits der Bogen gespannt. Denn unser Thema der Bachelorarbeit sollte sich laut einem Dozenten um „irgendwas Interkulturelles“ drehen.

Na dann, ran an die Tasten!

In einem Bachelorseminar an der argentinischen Uni durften wir dann an unserer Abschlussarbeit und so auch am Titel bzw. Thema arbeiten. In meinem Fall, der unserem akademischen Begleiter erstmal ein Schmunzeln entlockte, entwickelte sich das Thema nach einigem hin und her dann schlussendlich zum Titel „Bebidas nacionales. Una comparación del mate argentino y la cerveza alemana a través de las dimensiones culturales de G. Hofstede“ (zu deutsch „Nationalgetränke. Ein Vergleich von argentinischem Mate und deutschem Bier mittels der Kulturdimensionen von G. Hofstede“).

Natürlich durfte beim Recherchieren, Lesen und Schreiben über das Phänomen „Mate“ das reale Getränk nicht fehlen 😉

Bier gab es dann am Feierabend – und zum Anstoßen auf die Abgabe und Note!

„Willst du nicht ein richtiges Thema nehmen?“

…oder auch „Was ist jetzt wirklich dein Bachelorarbeitstitel?“ wurde mir in einem Gespräch mit einer deutschen Kommilitonin entgegengebracht, als es um die Abschlussarbeit ging. Was war so schlimm daran, dieses Thema zu wählen? Zugegebenermaßen hätte es weitaus „wichtigere“ Themen aus Politik, Gesellschaft und Geschichte gegeben. Aber bei genauerer Betrachtung vereint der Mate-Tee genau diese drei Felder: Als indigenes Grundnahrungsmittel wurden die Blätter zuerst von europäischen Konquistadoren als „Teufelswerk“ eingestuft. Nach und nach konnten die kulturelle Tragweite und die gesellschaftliche Wichtigkeit des Getränks, das gleichzeitig auch ein Ritual war, nicht geleugnet werden und wurde akzeptiert und schließlich auch von den Kolonisatoren getrunken. Bis heute zählt die Yerba Mate (die Kräuter) und der Konsum des Mates zum festen Bestandteil der argentinischen Kultur.

Und genau dieses Lebensmittel existiert nun – in anderer Form – in Deutschland. Unter Studenten. Als Limonade. Wie konnte es dazu kommen? Warum trinkt man in Deutschland nicht gemäß den sakralen argentinischen Mate-Regeln mit losen Teeblättern, geteiltem Strohhalm und typischen Kürbis- oder Holzgefäß? Diese und mehr Fragen schwirrten in meinem Kopf herum, als ich mich mehr mit der Existenz dieses Themas beschäftigte. Natürlich spielte auch meine Zuneigung zu Argentinien und diesem ganz besonderen Brauch eine ausschlaggebende Rolle. Es war einfach ein Herzensthema, und obgleich ich über die immer größer werdende Schere zwischen Arm und Reich, der zerrissenen argentinischen Gesellschaft oder dem vorherrschenden Personenkult in der Politik schreiben hätte können, wurde mir im Laufe der Arbeit klar, dass dieses Thema so viel mehr beinhalten würde als eine einfache Beschreibung über ein Getränk.

Die Mate-Facetten in Deutschland – auch sie haben mich dazu gebracht, mich mit diesem Thema zu beschäftigen. Unten rechts besonders spannend: DER Getränkeautomat an der Universität Passau, mit regionalem Bier und gleich darunter der bekannten Mate-Limonade!

Wie es nun zum „Bier-Faktor“ in meiner Arbeit kam, warum ich ausgerechnet über Kulturdimensionen geschrieben habe und warum Deutschland einmal sogar Mate-Import-Weltmeister war, berichte ich im nächsten Beitrag.

Bis dahin, machts gut, servus und adiós,

Martha


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